Wachteln mit Speck, Rosenkohl & Birne

rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelo

Ich muss es ja zugeben: bei der Wahl einiger Speisen geht es mir ganz oft ganz schwerwiegend darum, dass sie so hübsch aussehen.

Das fing schon als Kind an: im Supermarkt verknallte ich mich in die süßen kleinen Rosenköhlchen, die ich dort zum allerersten mal sah, und bettelte meine Mama so lange an, bis sie mir diese für mein Schulmittagessen kochte. Ich konnte ja kaum ahnen, dass ein so hübsches Gemüse so schrecklich bitter schmecken kann. Solange du das nicht aufisst, darfst du nicht spielen gehen, knirschte Schwester Anita, die Pausenaufsicht der katholischen Grundschule. Die längste halbe Stunde meines Lebens saß ich also vermutlich vor jenem vollen Teller Rosenkohl.

rosenkohl_rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelorosenkohl_rezept gebratene wachteln © Vivi D'AngeloJahre später, als Studentin dann, kam ich in eine Art Wachtel-Trip. Die kleinen Vögelchen lagen so hübsch ganz vorne in der Metzgertheke, kosteten nur ein paar Münzen (gefühlt viel weniger als ein Hühnchen) und waren mit einer Mahlzeit weggegessen, sodass ich mich nicht tagelang mit Hühnchenresten sättigen musste. Was außerdem dazukam: sie sahen so unglaublich cool aus. Vor lauter Stolz legte ich sie ganz oben in die Einkaufstüte, damit sie während der Busfahrt heim immer wieder vom Tütenrand hervorblitzten.

Das Studium endete, der Supermarkt wechselte, die Wachteln lagen nicht mehr in Sichtweite. Sie gelangen in Vergessenheit. Und der Rosenkohl meines Kindheitstraumas sowieso.

Bis sich vor ein paar Tagen alles wieder magisch fügte und ich mit einer prall gefüllten Tragetasche herbstlichen Küchenglücks nach hause kam – bereit, dem bitteren Babykohl noch eine Chance zu geben (diesmal aber mit reifer Birne versüßt!) und im Gedächtnis nach meiner damaligen Wachtelbeinchen-Bindetechnik kramend.

Eine glückliche Fügung, wie sich herausstellte.

 

Gebratene Wachteln mit Speck, Rosenkohl, Birnen und Kartoffeln (für 4):

  • 4 Wachteln 
  • 4 Scheiben Speck
  • je ein Bund Salbei, Rosmarin, Thymian
  • 400 g Rosenkohl
  • 4-5 Schalotten
  • 2 Birnen
  • 400 g festkochende Kartoffeln
  • Küchengarn

Den Backofen auf 210° C vorheizen (oder 190°C mit Umluft).

rosenkohl_rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelo (1)rosenkohl_rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelo (3)

Den Rosenkohl putzen. Dazu die dickeren und welken äußeren Blätter entfernen und den unteren harten Strunk abschneiden.

 

Dann die Köhlchen waschen und halbieren.

Die Kartoffel schälen und zerkleinern (oder, falls es neue Kartoffeln sind, einfach nur abwaschen), die Schalotten schälen, längs halbieren oder in dicke Ringe schneiden, die Birnen waschen und vierteln. Rosenkohl, Kartoffeln und Birnen auf ein Backblech geben, mit gutem Olivenöl beträufeln, salzen, pfeffern. Die Kräuter waschen, von Salbei und Rosmarin je vier kleine Bündchen aufheben und den Rest über das Gemüse zupfen. Vermengen.

Nun zu den Vögelchen und zur Bindetechnik.

 

Die Wachtel auf den Rücken legen, ein paar Blätter Salbei und ein Bündchen Rosmarin auf die Brust legen, dann mit der Baconscheibe befestigen, indem man diese wie eine Bauchbinde um die Wachtel wickelt. Danach das Küchengarn nehmen, dieses ebenso einmal um das Tierchen legen (dabei die „Ellbogen“ mit einwickeln), dann auf dem Wachtelbauch einen Knoten machen. Nun werden die Beinchen überkreuz angewinkelt, die beiden Fadenenden (eins von oben, eins von unten kommend) über den Beinchen hervorgeholt und dort nochmal mit Schleifchen festgebunden. Ich hab leider vor lauter Entzücken, dass es immernoch klappt, total vergessen, ein Foto davon zu machen. Ich hoffe, man versteht es trotzdem!

Dann die Vögelchen mit den Schalotten und einem Birnenschnitz in der Pfanne anbraten, bis die Haut und der Speck kross werden.

rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchen

Die Wachteln mit den Schalotten und Birnenschnitzen auf das Gemüse legen und in den Backofen schieben.

Etwa 30 – 40 Minuten bei 210° (oder 190° + Umluft) im Backofen braten. Bei Halbzeit auch mal das Gemüse umrühren und ebenso immer mal wieder nachsehen, ob die Wachtelhaut nicht zu dunkel wird. In dem Fall einfach ein Blatt Alufolie locker über das Fleisch legen.

Vor dem Servieren noch das Küchengarn zerschneiden und entfernen, mit dem Beilagengemüse garnieren – fertig!

rezept gebratene wachteln © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchen

 

Wem da noch Rosenkohl übrigbleibt – probiert ihn auch mal mit karamelisiertem Apfel und Maronen oder mit Speck angebraten und einem kleinen bisschen Ahornsirup versüßt.

Ich wurde von den kleinen Köhlchen ja doch noch positiv überrascht 🙂

rosenkohlanimation

 

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3 Gedanken zu “Wachteln mit Speck, Rosenkohl & Birne

  1. Cute, little, tasty, happy-birdies! ❤
    Wachteln sind doch einfach genial, nicht wahr, liebe Vivi? Wie Du so schön sagst: Hübsch, klein, in einer Mahlzeit "entsorgt", ohne Reste um die man sich im Nachhinein noch irgendwie sorgen muss… Und sie sind einfach sowas von lecker! Dazu den Rosenkohl, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das Trauma haben glaube ich viele hinter sich – umso schöner ist es, wenn man sich davon lösen kann. Und die Kombination ist sicher perfekt!
    Ganz liebe Grüße – ich drück Dich ganz feste!
    Ylva

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ylva,
      ja, das kannst du laut sagen! Es ist immer gut, wenn man als Erwachsener den Speisen nochmal eine Chance gibt, die man als Kind so schrecklich schlimm fand.. ganz ehrlich: die Erinnerung an einen fast medizinisch-ekligen Geschmack hatte mich so unglaublich getäuscht – der Rosenkohl ist garnicht sooo bitter! Und mit ein paar gedünsteten Birnenschnitzen hier und da passt das geradezu perfekt!
      Das nächste Kindheitstrauma auf der Liste wäre dann paniertes Rindergehirn… aber das lasse ich glaub noch ein wenig in der Schublade der Erinnerungen ruhen, gell? 😉
      Drück dich feste zurück!
      Vivi

      Gefällt mir

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