Tortitas Negras

argentinische tortitas negras mit muscovado zucker © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchen

Sonntagmorgen in einem Viertel am Stadtrand von Buenos Aires.

Ein kleiner Junge geht aus dem Haus. Es ist Ende Januar, es ist heiß und stickig. Niemand auf der Straße, nur Katzen liegen hier und da auf dem aufgeplatzten Beton herum und sonnen sich. Er läuft am niedrigen, halbfertigen Haus entlang und dann über die Straße, ein paar Blöcke weiter, bis zur Panaderia. Man muss die Hand durch die Eisengitter stecken und an der Tür klopfen, damit die Bäckerin kommt und einem aufmacht. Ohne Gitter wäre es viel zu gefährlich, so oft wie hier die Läden überfallen werden.

Sie schließt auf, schon weht ihm der Duft nach Vanille und Backofen entgegen.

Die ganze Wand entlang steht ein imposantes, hohes Regal, vollgeladen mit Facturas – kleine Hefeteilchen in den verschiedensten Formen und Farben, die meisten davon mächtig mit karamelligem Dulce de Leche, Vanillecreme oder Quittegelee gefüllt. Sonntagsfrühstück hierzulande. Es gibt die länglichen Vigilantes, die croissantförmigen Media Lunas, die kugelrunden Bolas de Fraile – und dann gibt es den Klassiker aller Klassiker, die Tortitas Negras. Die schwarzen Törtchen, weil der Rohrzucker, der sie bedeckt, in tiefem Schwarz schimmert. Davon bitte eine docena, ein ganzes Dutzend, denn sie sind so fein mit ihrer rieselnden, knusprigen Zuckerdecke. Und dann noch eine media docena gemischt, von den anderen. Die kleine Hand bezahlt, packt das Frühstücksglück ein, trabt zurück.

Nun ist wieder Januar, einige Jahre sind vergangen. Der kleine Junge ist groß geworden, ist ausgewandert. Er lebt jetzt mit mir, am Rand einer deutschen Großstadt. Hier ist der Beton unversehrt auf der Straße. Kein Gitter an den Türen und Fenstern weit und breit, keine Katzen die sich sonnen, im Januar. Die Theken der Panaderias sind vollgepackt mit Krapfen in allen Formen und Farben.

Tortitas Negras gibt es auch. Aus unserem Backofen. Es ist bestimmt nicht das Gleiche, aber es tut gut.

argentinische tortitas negras mit muscovado zucker © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchen

Für ein Dutzend Tortitas Negras:

Für den Vorteig:

  • 75g Mehl
  • 25g Zucker
  • 15g frische Hefe
  • 75g warmes Wasser

Für den Hauptteig:

  • 200g Mehl
  • 65g Zucker
  • 100g Butter
  • das Mark von einer halben Vanillestange
  • 1 Ei
  • 4g Salz

Für die Zuckerdecke:

  • 100-150g dunkler Rohrohrzucker oder Muscovado Zucker*
  • ein gestrichener Esslöffel Mehl

* Den tiefschwarzen Zucker, der in Argentinien für die Tortitas Negras benutzt wird, gibt es hierzulande nicht. Ich nehme stattdessen also eine unraffinierte Form von Rohrzucker, der hellbraun-sandig aussieht, viel Feuchitgkeit enthält (daher schnell zusammenklebt) und ein Aroma verbreitet, das leicht an Malz und Rum erinnert. Zu finden gibt es den in einigen Asia-Läden – in München zum Beispiel hier oder hier

muscovado brauner rohrohrzucker fuer tortitas negras © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchen

Zuerst werden alle Zutaten für den Vorteig in einer Schüssel vermischt. Der Teig darf dann an einem warmen Ort gehen, bis er aufgegangen ist und Bläschen auf der Oberfläche zeigt (etwa 30 Minuten). Dann die Zutaten des Hauptteigs mischen und zum Vorteig geben. Den Teig noch einmal gehen lassen, bis er sich im Volumen verdoppelt hat.

Den Teig in zwölf Portionen teilen, Kugeln formen, diese auf dem Backblech verteilen und etwas plattdrücken.  Es sollte etwas Abstand zwischen den Törtchen bleiben, da sie noch aufgehen. Alternativ dazu kann man auch den Teig als Ganzes auf das Blech auslegen und nach dem Backen in Vierecke schneiden.

Nun werden die Zutaten für die Zuckerdecke gemischt (das Mehl erleichtert das Verteilen des klebrigen Zuckers) und großzügig auf den Törtchen verteilt. Noch zwanzig Minuten gehen lassen (ich schiebe das Backblech jetzt schon in den Backofen und schalte diesen dann erst an – so gehen die Tortitas noch auf, während der Ofen aufheizt). Bei 180° Umluft etwa 20 Minuten lang backen. Die Törtchen sollten an den Rändern nur ganz leicht hellbraun werden.

argentinische tortitas negras mit muscovado zucker © Vivi D'Angelo foodfotografie muenchenAm liebsten noch lauwarm essen und dabei das Schneegestöber hinter der Fensterscheibe genießen. Der Sommer und die sich sonnenden Katzen kommen auch wieder, versprochen.

 

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Ein Gedanke zu “Tortitas Negras

  1. Wow, sind die lecker! Und wie du schreibst, genau das richtige bei diesem Wetter heute in München. Als Ersatz für den Spezial-Zucker hab ich groben, braunen Zucker gemörsert und mit 2TL Wasser angefeuchtet.

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